Herr Thomas Schulz vom Landratsamt kündigte in der Kreistagssitzung am 8.5. ganz nebenbei bei der Beantwortung einer Abgeordnetenfrage an, dass der Landkreis im Herbst die Vorlage für die Errichtung eines kommunalen Gymnasiums in der Region Kleinmachnow –Teltow-Stahnsdorf einbringen wird.
So ist das mit den großen Entscheidungen – sie kommen „ganz nebenbei“ ans Licht der Öffentlichkeit. Die Fraktion Die Linke begrüßt, dass hier nun den Spekulationen ein Ende bereitet wird und vor allem, dass dieses Thema damit kein Wahlkampf mehr sein wird. Mit Schulentscheidungen aus dem Wahlkampf heraus haben wir in Kleinmachnow schlechte Erfahrungen. Die Ankündigung versachlicht die Diskussion.
Die Fraktion DieLinke im Kreistag fordert die drei Kommunen auf, diese Angelegenheit in jeder Hinsicht in die eigenen Hände zu nehmen. Hier ist die einmalige Chance, der Region bildungspolitisch ein vielseitigeres Profil zu geben. Die Vertreter der anderen Parteien haben sich in ersten Äußerungen vor allem den zukünftigen Standort diskutiert.
Das widerspiegelt den Mangel fast aller Diskussionen über Bildung in der letzten Zeit: Wir reden über Gebäude, über Ausstattung, über Lehrerzahlen – wer redet über das, was die Kinder wollen und brauchen, wer redet über die Schule als Lebensort, die Schule als Widerspieglung der sozialen Wirklichkeit und damit über die Vorbereitung auf das Leben nicht nur mit Fakten, Zahlen und Fertigkeiten, sonder über die Heranbildung sozialer Wesen.
Wenn die drei Kommunen diese Angelegenheit in die eigenen Hände nehmen, können sie sich auch stark machen, hier gemeinsam mit der Elternschaft ein anderes, am Kind und nicht vorrangig am Lehrplan orientiertes pädagogisches Profil zu erarbeiten und einzufordern und damit die Bildungslandschaft in der Region vielfältiger zu gestalten.
Wenn es gelingt, wird man vielleicht in drei, vier, fünf Jahren zum ersten Mal wegen interessanter, beispielgebender pädagogischer Arbeit über Brandenburg sprechen – das soll in den letzten 15 Jahren nicht vorgekommen sein.
Zur Versachlichung der Diskussion gehört aber auch, dass man nicht immer nur über die zwei – dann drei Gymnasien in der Region spricht sondern über die drei, dann vier weiterführenden Schulen in öffentlicher Trägerschaft in der Region. Auch wenn die Gemeinde Kleinmachnow sich anscheinend immer geniert, sich zu ihrer Maxim-Gorki-Schule zu bekennen. Wie überforderte Eltern glauben, mit Taschengeld fehlende Zuneigung ausgleichen zu können, glaubt die Gemeinde mit den Investitionen dieser Schule gegenüber ihren „elterlichen“ Pflichten Genüge zu tun. Rein rechtlich ist das richtig – aber wahre Zuneigung wird nicht rein rechtlich geregelt, die sieht anders aus. Die Eltern und Kinder sind da schon weiter und erkennen den Vorteil eines 13-jährigen Schulweges zum Abitur als echtes Auswahlkriterium. So hat jeder seine Stärken und zusammen gibt das eine interessante Bildungslandschaft in der Region.
Thomas Singer
Abgeordneter aus Kleinmachnow und
Sprecher der Fraktion DieLinke im Kreistag Potsdam-Mittelmark