Natürlich möchte ich Menschen in Not helfen, selbstverständlich unterstütze ich diesbezüglich Aktionen und freue mich über die Spendenbereitschaft der Bürgerinnen und Bürger in Belzig und Umgebung. Während der zwei Stunden, in denen ich die Aktion bei Lidl begleitete, konnte ich mich persönlich davon überzeugen, wie viele Kunden eine Spende für die Belziger Tafeln in den dafür vorgesehenen Behälter legten.
Dafür sei ihnen im Namen derjenigen, die diese Spenden benötigen, herzlichst gedankt. Vor allem auch, weil einige von ihnen selbst nicht im Überfluss leben und trotzdem Solidarität mit denen übten, die noch weniger haben.
Solidarität mit Menschen in Not zu üben ist für viele Herzenssache und längst zur Selbstverständlichkeit geworden. Auch für mich.
In der Vergangenheit richtete sich die Hilfe oft an Menschen, die weit weg von Deutschland oder Europa lebten. Spenden für Menschen in Afrika, Asien und Lateinamerika sind seit Jahren dringend notwenige Zielorte unserer Hilfe und Solidarität. Bilder aus diesen Ländern überzeugen ohne Worte. Die Notwendigkeit zur Spende ist leicht erklärbar. Nicht so einleuchtend dagegen ist es, wenn man für Spenden zum Lebensunterhalt für Menschen in Deutschland aufruft, wie am vergangenen Sonnabend in einzelnen Supermärkten geschehen. Und doch ist es notwendig, obwohl Deutschland nicht zu den sogenannten Entwicklungsländern gehört.
So ist es schwer erklärbar, dass es in diesem reichen Land Deutschland nicht möglich sein soll, allen Bürgerinnen und Bürgern ein selbstbestimmtes, menschenwürdiges Leben ohne „Tafel“ und Spenden für besondere Lebensumstände zu ermöglichen.
Die Realität aber ist, dass viele Menschen ihre Not nicht mal durch die „Tafel“ lindern können, weil sie entweder keine Möglichkeit dazu erhalten oder ihre Scham es ihnen verbietet, diese Hilfe anzunehmen
Und Realität ist auch, es werden immer mehr „Tafeln“ benötigt, weil die Zahl der Bedürftigen ständig steigt. Die Spenden der Supermärkte reichen oft nicht aus, um den Bedarf zu decken, deshalb die Aktion am vergangenen Sonnabend.
Solange wir jede neu entstehende „Tafel“ als eine Notwendigkeit positiv begrüßen und nicht das Abschaffen einer Tafel als das wirklich Positivereignis „feiern“ können, läuft in diesem Land gewaltig etwas schief.
Und so lange diese Schieflage besteht, ist unsere Solidarität mit den Betroffenen unumgänglich, ohne gleichzeitig die Ursachen für diese Situation immer wieder zu benennen und Möglichkeiten zur schnellen Verbesserung aufzuzeigen und durchzusetzen.
Astrit Rabinowitsch
Kreistagsabgeordnete Die Linke