12. Dezember 2010

Leserbrief zu: „Königs danken ab“ MAZ 11./12. Dezember 2010

Hat das Amt Wusterwitz noch nicht genug Schlagzeilen mit Müllskandal und Korruptionsvorwürfen produziert? Offensichtlich nicht. Nun werden wir auch noch berühmt als Investorenschreck. 10 Jahre lang bemühte sich Familie König das verfallene Rogäsener Schloß wieder zum Leben zu erwecken. Sie wollten sich keine „königliche“ Wohnstätte für den Privatbedarf schaffen. Ihnen ging es mehr als den Erhalt der Bausubstanz. Wo ehemalige Existenzgrundlagen verlorengingen, sollten neue Arbeitsplätze entstehen. Das Leben, Wohnen und Arbeiten in Rogäsen sollte wieder attraktiv werden.

Der äußere Anblick des Schlosses läßt nicht erahnen, welche Fortschritte bei der Herrichtung vieler Räume in den früheren Originalzustand schon erreicht wurden – ohne bisherige Fördermittel. Aber für einen Investor spielt neben Geld vor allem die moralische Unterstützung seiner Pläne eine wichtige Rolle. Diese Unterstützung gab es seitens des Bundesbauministeriums, von Landes- und Kreistagspolitikern, der Kreisverwaltung und nicht zuletzt von zahlreichen Gästen verschiedener öffentlicher Veranstaltungen im Schloß Rogäsen. Leider fehlte aber jegliche Unterstützung vor Ort. Deshalb hat Familie König beschlossen, ihre Pläne anderenorts zu realisieren. Für mich ist es unverständlich, dass einigen Bürgern in Rogäsen der Erhalt einer alten Treppe wichtiger ist, als die Schaffung von Arbeits-und Ausbildungsplätzen im eigenen Ort. Ich glaube, dass sich hier einige vor einen Karren spannen lassen ohne zu wissen, was die wahren Hintergründe des sogenannten Treppenstreits sind.

Für die Amtsverwaltung scheinen die Pläne und Investitionsvorhaben der Familie König reines Privatvergnügen zu sein. Auch die Mitglieder im Amtsausschuß scheint die wirtschaftliche Entwicklung im Amt Wusterwitz wenig zu interessieren. Vielleicht liegt das daran, dass in der letzten Amtsausschußsitzung alle eine Lehrstunde zur Kommunalverfassung erhielten, in der ihnen verdeutlicht wurde, dass letztlich nur die Amtsdirektorin das Sagen hat und ehrenamtliche Bürgermeister eigentlich nur „Bittsteller“ sind. Im Amtsbereich Wusterwitz gibt es aber auch Bürger, denen es um mehr als einen Treppenstreit geht. Die neu gegründete Bürgerinitiative will sich dafür stark machen, dass Bürger über alles, was in ihren Gemeinden passiert, rechtzeitig informiert werden. Dabei soll es nicht der Verwaltung überlassen sein, welche Informationen wichtig oder unwichtig sind.

Die Pläne der Familie König, das Schloß Rogäsen zu einer Übernachtungs- und Veranstaltungsstätte zu entwickeln und aus dem ehemaligen Pferdestall eine Ausbildungswerkstatt für Holzverarbeitung zu machen, wurden durch die Amtsdirektorin nie thematisiert. Das FÜR oder GEGEN eine Sache sollte nie eine Verwaltungsentscheidung sein. Für Rogäsen und das gesamte Amt Wusterwitz wurde eine große Chance vertan. Es bleibt die Frage: Warum und wer verfolgte dabei welche Interessen? Aber auch hier wird die Zeit  den Nebelschleier lüften und die Wahrheit ans Licht bringen.

Bernd Lachmann
Wusterwitz