Die Fraktion bei der Arbeit

 

Die Integrationsbeauftragte in Potsdam-Mittelmark


Antrag der Fraktion Bündnis90/Die Grünen und der Fraktion DIE LINKE

zum Antrag

Tätigkeitsüberblick der ehrenamtlichen Ausländerbeauftragten des Landkreises Potsdam-Mittelmark

zum Tätigkeitsüberblick

 

Auszug aus dem Protokoll der Beratung des Ausschusses für Soziales und Gesundheit am 5.11.2009

zum Protokoll

 

Meldungen

1. Februar 2012

Leitbild ist kein Geheimpapier

Die Leitbilddebatte des Landkreis findet statt und der Bürger bekommt nichts davon mit. Die Fraktion DIE LINKE im Kreistag Potsdam-Mittelmark fordert Transparenz und Partizipation - denn das Leitbild ist kein Geheimpapier, es soll nicht eines der Verwaltung sein, sondern eines von und für die Menschen im Landkreis. Wer Bürgerbeteiligung als Ziel... Mehr...

 
 
STASIDEBATTE: Linke laden Pfarrer ein

BAD BELZIG - In der von insgesamt 17 Pfarrern aus Potsdam-Mittelmark jetzt erneut angeschobenen Debatte um stasibelastete Kreistagsabgeordnete der Linkspartei kommt Bewegung. Die Sozialisten wollen sich mit den Geistlichen an einen Tisch setzen und die Problematik in einem gemeinsamen Gespräch erörtern. Das hat der Fraktionschef der Linken im Kreistag, Thomas Singer, angekündigt.

„Wir bieten den Pfarrern den Dialog an und halten nichts davon, übereinander, anstatt miteinander zu reden“, begründete Singer den Schritt in einem MAZ-Gespräch. Die Runde solle sich Anfang des kommenden Jahres formieren, sagte Singer. „Nach Möglichkeit noch vor dem nächsten Kreistag“, erklärte er. Eine Rückgabe der Mandate seiner Fraktionskollegen Sieghard Rabinowitsch und Bernd Lachmann lehnte Singer indessen erneut ab.

Wie berichtet, hatte sich der Pfarrkonvent des Kirchenkreises Lehnin-Belzig gegen die Mitgliedschaft von Ex-Stasi-Leuten im Kreistag ausgesprochen. (Quelle: hms, 20.12.2011 MAZ)

Kommunalpolitische Konferenz der LINKEN in Potsdam-Mittelmark

24. Oktober 2011 im Gewerbezentrum Götz

1. TOP 1 – Rolle und Möglichkeiten von Ortsbeiräten und Ortsvorstehern

Reth Kalsow – Bürgermeister von Groß Kreutz:

  • die Ortsteile erhalten 2 Euro pro Einwohner
  • die Gemeindehäuser müssen davon allerdings nicht unterhalten werden
  • es gibt aktive und weniger aktive Ortsbeiräte
  • vor dem Beschluss des Haushaltsplanes können Wünsche geäußert werden
  • Ortsvorsteher bekommen vorab den kompletten Plan
  • die Mitglieder der Ortsbeiräte bekommen eine Zusammenfassung

Barbara Klembt – Bürgermeisterin von Wiesenburg:

  • formale Beteiligung der Ortsbeiräte
  • rechtzeitige Information ist Pflicht
  • wichtige Entscheidungen werden in den Ortsteilen diskutiert (Straßenausbau etc.) und so lange besprochen bis ein einigermaßener Konsens gefunden ist
  • dies alles bevor die Gemeindevertretung beschließt
  • keine Festlegung von pro Kopf Pauschalen, Bedarf pro Einwohner wird anhand von Vorjahreswerten ermittelt (aus der Zeit der Selbständigkeit), sonst könnten kleine Orte nicht eine einzige Veranstaltung durchführen, man muss sehen was in dem jeweiligen Ort üblich ist und Tradition hat
  • Solidarverfahren
  • Ortsbeiräte - wichtig für die Identifikation aller Ortsteile mit der Gemeinde

Ute Hustig – Bürgermeisterin von Nuthetal:

  • es ist wichtig die Arbeit der Ortsbeiräte zu stärken
  • sie sollen sich mehr zur Gemeinde zugehörig fühlen
  • Solidarität mit allen Ortsteilen zeigen
  • feste Termine für Sitzungen
  • geben fast alle Vorlagen in die Ortbeiräte
  • führt mit den Ortsvorsteher gemeinsame Sprechstunden durch
  • separate Runde mit allen Ortsvorstehern, sorgt für Solidarität
  • oft wird Geld nur in einen Ortsteil gegeben, andere müssen zurückstecken

Lisa Stoof – Mitglied der Gemeindevertretung Geltow:

  • Terminplan legt die Tagungen der Ortsbeiräte fest,
  • in den Ausschüssen wird großer Wert auf die Votierung des Ortsbeirates gelegt, dann entscheidet auch die Gemeindevertretung demnach,
  • 10 Euro pro Einwohner stehen den Ortsbeiräten zur Verfügung,
  • Vereine müssen vorher Antrag auf finanzielle Unterstützung stellen, dabei wird eine genaue Auflistung der Außenwirkung verlangt

Allgemeines Problem ist die Einwohnerinformationspflicht. Information an den Bürger sind schwierig, das Amtsblatt wird ausgetragen, dies lesen aber nicht alle. Direkte Einladungen an die betroffenen Bürger (z. B. bei Straßenbau) das funktioniert, jedoch bei allgemeinen Themen werden Bürgersprechstunden wenig genutzt.

Eine Verallgemeinerung der Arbeitsweisen ist nicht möglich, die Kommunalverfassung lässt viele Möglichkeiten offen, jeder muss individuell entscheiden. Je größer eine Gemeinde wird, desto schwieriger wird es allen Ansprüchen gerecht zu werden. Positiv ist die investive Kraft, man kann damit auf die Wünsche der Ortsteile reagieren und handeln.

Erläuterung der Kommunalverfassung

Arbeit des Ortsbeirates Glindow

 

2. TOP 2 – kommunale Energiepolitik

Wolfgang Thiel stellt die Frage ob es in einer Demokratie möglich ist, den gesellschaftlich nötigen Umschwung zu forcieren und warum eine Energiewende nötig ist? Momentan ist eine hohe Versorgungssicherheit gegeben, durchschnittlich gibt es nur 15 Min. Stromausfall pro Kopf. Fossile Energien gehen zu Ende, wir haben Alternativen, dazu braucht es aber Akteure vor Ort. Wir können uns nicht auf Bundes- und Landesebene verlassen, vor Ort wird die Energiewende voran getrieben. Ein mittelfristiger Ausstieg aus der Braunkohle wurde gefordert, mögliches Ziel für Brandenburg – 100% regenerative Energie bis 2020, eine EU Richtline für Stromverbunde ist bereits in Arbeit.

Windräder sind nur möglich wenn genügend Speicherkapazität da ist. Ein ausreichender europäischer Speicher ist vorhanden, Norwegen hat freie Kapazitäten, Leitungen sind auch vorhanden, das Problem - Norwegen liegt außerhalb der EU.

Eine Ressourcenanalyse ist notwendig, welche Energiemöglichkeiten bieten sich in der jeweiligen Region an, ein Einsteigen in das Energiecoaching ist ebenfalls notwendig. Der Landkreis hat ein Energiekonzept vorzulegen, Mecklenburg Vorpommern will z.B. 500 energieautarke Dörfer entstehen lassen, Brandenburg hat bislang eines. Es müssen energieautarke Regionen geschaffen werden im Verbund mit unterschiedlichen Anlagen.

Aus der Debatte:

  • Beispiel Schlalach – Bürger und Landeigentümer haben sich zusammengefunden, die Verträge nutzen allen, nicht nur den Landbesitzern.
  • Bürgerbeteiligung ist das Stichwort – gemeinsam über Lösungen nachdenken,
  • es gibt nicht nur ein Energieproblem oder Speicherproblem, sondern auch ein Politikproblem,
  • das Soziale und Ökologische zusammen zu bringen, könnte ein Alleinstellungsmerkmal der LINKEN sein,
  • Rekommunalisierung von Stadtwerken ist Zukunftsmusik,
  • der Atomausstieg kostet tausende Arbeitsplätze, wie schafft man Ersatzarbeitsplätze?
  • Netze müssen ausgebaut werden, auch der Verteilungsbereich,
  • Diskussion mit Bürgern ist wichtig, jeder will erneuerbare Energien, aber nicht vor seiner Haustür
  • Gemeinsamer Tenor - Energiewende geht nur mit den Bürgern - die Bürger von Anfang an einbeziehen - nur mit Investoren geht die Wende nicht - die Bürger müssen auch einen Effekt davon haben

Florian Singer: Einen von ihm erstellte Studie zu erneuerbaren Energien.

Annemarie Kersten: Die Energiewende für Brandenburgs Gemeinden – Ein Coaching für Wege zur Energiewende – ein Bericht dieser Tagung im Anhang des Protokolls.

Achim Sroka: Entwurf für Richtlinie zur Genehmigung von Kleinwindenergieanlagen
(kWEA) außerhalb von Windvorranggebieten für Windenergienutzung.

Die Linksfraktion vor Ort in Feldheim

Herr Frohwitter vom Projekt "Neues Energien Forum Feldheim (NEF Feldheim)" machte mit den Abgeordneten der Linksfraktion im Kreistag Potsdam-Mittelmark einen Rundgang durch das Dorf, erläutert Anlagen und System der Energieautarkie und diskutiert mit über das künftige NEF.

Weiter Informationen finden Sie hier

Die Kreistagsfraktion der LINKEN macht sich vor Ort schlau - In der ersten energieautarken Gemeinde Brandenburgs. Interessante Anregungen haben wir mitgenommen:

  • Es braucht einen Investor, der nicht nur einen eigenen Gewinn sieht, sondern den Gesamtfortschritt und damit zum Motivator wird.
  • Die Bürger müssen an der Planung und an den Effekten beteiligt werden.
  • Die Kopplung der verschiedenen Maßnahmen - Energieeinsparung, Windenergie, Solarenergie, Bioenergie und Speicherung bringt den richtigen Effekt.
  • Die Energieerzeugung ist nicht das eigentliche Ziel - sondern langfristige stabile und bezahlbare Energieversorgung.
  • Mit der verbilligten Energie werden Arbeits- und Ausbildungsplätze lukrativ.

Diese Thematik wird auf der  kommunalpolitischen Konferenz am 24.10. mit den linken Kommunalabgeordenten aus Potsdam-Mittelmark besprechen.


Zwei Punkte für die Linke - Opposition bewirkt doch was....

Die Zukunft der Förderschule Kleinmachnow war kein Thema im Bericht des Landrates an den Kreistag am vergangenen Donnerstag. Die Abgeordnete und bildungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, Lisa Stoof, informierte darum den Kreistag, dass das Team der Förderschule Kleinmachnow ein anspruchsvolles Konzept für die Weiterentwicklung ihrer Schule - auch in Richtung Inklusion - erarbeitet hat. Das hat die Fraktion DIE LINKE bei einem Vor-Ort-Besuch in der Schule in Kleinmachnow in der vergangenen Woche erfahren. Das wäre eine Erwähnung in dem Bericht des Landrates wert gewesen.

Sie fragte außerdem nach, wieso ein „Wettbewerber“ ohne Autorisierung durch den Landkreis von der Rektorin der Schule interne Zahlen verlangen darf. Damit verfestige sich bei den Abgeordneten die Befürchtung, die der Vorsitzende des Bildungsausschusses, Dr. Martin, schon in der Ausschusssitzung im März geäußert hat: Verwaltungen nutzen gern die Sommermonate, in denen weder die Betroffenen noch die Abgeordneten richtig reagieren können, um Tatsachen zu schaffen. Das ausdrückliche Ziel aller Abgeordneten in Sachen Förderschule Kleinmachnow ist aber, in der Region ein vom Landkreis getragenes Bildungsangebot für Schüler mit Förderbedarf zu sichern. Schließlich wohnt hier ein Viertel der Einwohner des Kreises. Damit fällt hier rein mathematisch auch ein Viertel des Förderbedarfs an. Für die hartnäckigen Nachfragen bekam Frau Stoof den Beifall aus allen Fraktionen. Der Landrat sicherte dem Kreistag zu, dass er von diesem Ansatz ausgeht. Die Fraktion DIE LINKE ließ das sicherheitshalber zu Protokoll nehmen.

DIE LINKE verlangt Übergabe Gymnasium Stahnsdorf rechtzeitig zum Schuljahresbeginn 2013In dem Strategiepapier der Kreisverwaltung für 2012, das dem Kreistag am vorigen Donnerstag zur Beschlussfassung vorlag, stand zum Fertigstellungstermin beim neuen Gymnasium in Stahnsdorf nur lapidar "2013“. Wird das Gymnasium aber nicht zum Schuljahresbeginn 2013/14 fertig, reichen die Räume nicht. Es müssen für viel Geld in dem Provisorium in der ehemaligen Berufsschule des CvO in der Oderstraße weitere Räume für das Gymnasium umgebaut werden. Der Abgeordnete Thomas Singer wurde von einem Elternvertreter auf diese drohenden Mehrkosten aufmerksam gemacht.

Die Forderung der Fraktion DIE LINKE war bereits Anfang Juni im Innenausschuss von den Abgeordneten der anderen Fraktionen unterstützt worden. Das führte aber zu keiner Veränderung in dem Strategiebeschluss 2012, der dem Kreistag nun vorlag. Auf Antrag der Fraktion DIE LINKE  beauftragte der Kreistag nun die Verwaltung, konkret zum Ende des Schuljahres 2012/2013 den Neubau zu übergeben, damit über die Sommerferien das Schulteam den neuen Bau für den Schulbetrieb rechtzeitig zum Beginn des Schuljahres 2013/2014 vorbereiten kann.

Position der Kreistagsfraktion zum Abschlussbericht der Kommission zur Überprüfung von Kreistagsabgeordneten und kommunalen Wahlbeamten auf evtl. hauptamtliche/inoffizielle Mitarbeit bei dem Staatssicherheitsdienst der DDR

DIE LINKE und vormals die PDS ist in den Debatten um Kontakte mit dem MfS oder um die hauptamtliche oder inoffizielle Mitarbeit dafür eingetreten, dem Einzelfall gerecht zu werden. Wir tragen als Partei insgesamt Verantwortung für das Scheitern des real gewesenen Sozialismus, für die Überwachung des eigenen Volkes, die Ausgrenzung und Inhaftierung Andersdenkender, fehlende Presse- und Meinungsfreiheit. Zugleich widersetzen wir uns aber allen Versuchen, die Auseinandersetzung um die Zusammenarbeit mit dem MfS für parteitaktische oder tagespolitische Zwecke zu instrumentalisieren. Genau diesen Vorwurf machen wir der vom Kreistag eingesetzten Kommission unter Leitung von Herrn Koch im Hinblick auf verschiedene Aussagen ihres Berichts. Wir verlangen nicht, dass die Kommission Fakten anders darstellt als sie sich anhand der vorliegenden Dokumente lesen. Aber subjektive Bewertungen, absichtsvolle Weglassungen und Mutmaßungen verfälschen das Gesamtbild und verhindern ein faires Verfahren. 

  1. Die Kommission hat sich von Anfang geweigert, Kriterien einer Bewertung aufzustellen oder dies wenigstens zu versuchen. Dabei geht es nicht um „Formalismus“. Aber wer sich nicht einmal ansatzweise darauf verständigen will, welches Handeln überhaupt „verwerflich“ sein soll, der öffnet subjektiven Maßstäben Tür und Tor.
  2. Der Bericht stellt zu Bernd Lachmann fest, dieser habe „sich als Berufssoldat persönlich verpflichtet.“ Für die Bewertung einer Zusammenarbeit mit dem MfS besagt das rein gar nichts. Jeder Berufssoldat der NVA hat sich persönlich für einen Dienst bei der NVA verpflichtet. Gewollt ist ganz offensichtlich nicht die Darstellung einer solchen Selbstverständlichkeit, sondern es soll ein Zusammenhang mit dem MfS suggeriert werden. Die Mehrheit der Kommission hätte sich problemlos an die vorliegenden Fakten halten können. Diese besagen, dass Bernd Lachmann sich im Ergebnis eines Verhörs verpflichtet hat, über selbiges zu schweigen. Das Dokument trägt die Überschrift „Schweigepflichterklärung“. Inhalt: „ Ich, Bernd Lachmann, verpflichte mich über das heute mit dem Mitarbeiter des MfS geführte Gespräch gegenüber jedermann strengstes Stillschweigen zu wahren und erkläre mich bereit, die Sicherheitsorgane aktiv bei der Aufklärung des VS-Verlustes vom 03.10.74 zu unterstützen.“ Es ist eindeutig erkennbar, dass es um einen militärisch relevanten Vorgang ging – das Verschwinden von Geheimdokumenten.  Jeder, der auch nur einigermaßen mit den Verhältnissen vertraut ist, mag sich die Frage beantworten, ob er die Unterschrift unter dieses diktierte Dokument folgenlos hätte verweigern können. 
  3. Bernd Lachmann hat 29 Berichte über dienstliche Vorgänge verfaßt. Adressat dieser Berichte war der Kompaniechef der NVA, sein Dienstvorgesetzter. Auf die Einlassung, dass diese Berichte vom Kompaniechef an das MfS weitergegeben worden sind,  geht die Kommission gar nicht erst ein. Die Berichte finden sich in den Unterlagen der Stasi und Bernd Lachmann hat sie geschrieben.  
  4. Der Bericht der Kommission enthält die Bewertung, die Berichte von Bernd Lachmann „lassen vermuten, dass nachteilige Folgen für andere NVA-Angehörige nicht auszuschließen sind.“ Was soll eine derartige Bewertung belegen? Was soll sie überhaupt aussagen? Sie steht für nichts anderes als für Voreingenommenheit gegenüber Herrn Lachmann. Wenn es „Vermutungen“ gibt, dann muß man ihnen nachgehen. Wenn man das nicht möchte oder nicht kann, dann kann man aus ihnen nichts feststellen – jedenfalls dann nicht, wenn man sich rechtsstaatlichen Prinzipien verpflichtet fühlt. 
  5. „Herr Lachmann hat die Kommission nicht von seinem rechtsstaatlichen Denken überzeugen können.“ Selbst wenn es Auftrag der Kommission gewesen wäre, hierüber eine Feststellung zu treffen, bleibt es bei einer durch nichts untersetzten Mutmaßung.  

Bernd Lachmann war ohne Zweifel „staatsnah“. Er versucht dies heute nicht neu zu interpretieren. Ziel einer Untersuchung ist die Zusammenarbeit mit dem MfS wegen dessen geheimdienstlicher Praktiken, wie Vertrauensbruch, Denunziation oder Zersetzung. Wenn statt dessen Staatsnähe oder eine allgemeine politische Verantwortung an den Pranger gestellt werden sollen, wenn nur noch „aktiver Widerstand“ gegen die DDR moralisch gerechtfertigt ist, dann erübrigen sich Kommissionen und Stasi-Unterlagen. Bernd Lachmann hat zu seiner Akte anläßlich einer öffentlichen Veranstaltung am 23. März 2010  Stellung genommen und Fragen beantwortet. Von den Anwesenden gab es keinerlei Vorwürfe gegen ihn, mehrfach wurde dagegen Verständnis zu den Sachverhalten bekundet. Herr Lachmann ist auch weiterhin gegenüber Jedermann, bereit Fragen zu seiner Akte zu beantworten.

Sieghard Rabinowitsch war zunächst inoffizieller und dann hauptamtlicher Mitarbeiter des Ministe­riums für Staatssicherheit. Die damalige PDS hat vor dem Hintergrund ihrer historischen Verant­wortung vor der Frage gestanden, ob sie Personen, die hauptamtlich oder als IM für das MfS gear­beitet haben, für politische Ämter nominiert. Wir wissen, wie schwer der Missbrauch von Vertrauen wiegt und dass er vielfach erhebliche nachteilige Folgen für Betroffene nach sich zog. Zugleich war einer großen Mehrheit in der PDS stets bewusst: wir haben nicht das Recht, politische und persönli­che Verantwortung stellvertretend beim MfS abzuladen. Bei weitem nicht jeder Mitarbeiter des MfS und jeder IM hat sich Verbrechen schuldig gemacht; moralisches Fehlverhalten hat viele Facetten und Beweggründe; die Verstrickung in Unterdrückung ist individuell zu bewerten. Deshalb hat die PDS 1991 und 1993 Beschlüsse gefasst, die im Kern besagen: wer im Namen der PDS für politische Ämter und Mandate kandidiert, ist verpflichtet, eine Tätigkeit für das MfS offenzulegen, um eine Einzelfallprüfung zu ermöglichen. Auch die Wählerinnen und Wähler haben damit die Möglichkeit souverän zu entscheiden. 

Sieghard Rabinowitsch ist in mehr als 20 Jahren seit der Auflösung des MfS in der Öffentlichkeit wiederholt grundsätzlich mit seiner Tätigkeit für das MfS konfrontiert worden. Es gab in diesem Zusammenhang keinen Vorwurf oder gar die Feststellung einer Straftat oder eines Verbrechens. Diese Feststellung verniedlicht nichts an der Rolle des Ministerium für Staatssicherheit. Die Rolle des MfS lässt sich aber nicht pauschal auf den Einzelnen übertragen. Wir verweisen in diesem Zusammenhang auf die Feststellungen aller damaligen Fraktionsvorsitzenden im Landtag, die 1994 im Ergebnis des Untersuchungsausschusses zu Manfred Stolpe Eingang in einen Beschluss des Landtages „Mit menschlichem Maß die Vergangenheit bewerten“ fanden. Er erhielt 1998 die Anwaltszulassung durch das Oberlandesgericht. Dies erfolgt nach Kenntnis und Bewertung sei­ner Tätigkeit für das MfS in einem eigens dafür vorgesehehen Verfahren. 

Sieghard Rabinowitsch hat 2003 erstmals für die Gemeindevertretung und den Ortsbeirat in Wie­senburg kandidiert. Er wurde zum Ortsbürgermeister gewählt. Zuvor hat er sich ehrenamtlich im Förderverein für den Park Wiesenburg sowie im Sportverein engagiert. Es war in Wiesenburg bekannt, dass er Mitarbeiter des MfS gewesen ist. Die Presse hat schon seinerzeit mehrfach darüber berichtet. Aus heutiger Sicht lässt sich mit Fug und Recht sagen: wer bei seiner Wahlentscheidung schon 2003 etwas über die Biografie von Sieghard Rabinowitsch wissen wollte, der hat es gewusst oder konnte es wissen. Der Kreisverband der LINKEN hat Sieghard Rabinowitsch 2008 im Wissen um seine Biografie für die Wahl zum Kreistag aufgestellt. Wir haben dabei in die Waagschale geworfen, dass Sieghard Rabinowitsch jemand ist, der nach der Wende ehrenamtliche Arbeit und Kommunalpolitik aus dem Interesse an einer guten Entwicklung seiner Gemeinde und seiner Re­gion gemacht hat und dabei Achtung und Respekt bei den Bürgern gewonnen hat. 

Weder im Kreisverband noch in der Kreistagsfraktion der LINKEN herrscht die Auffassung, dass die Ausübung eines Mandats durch Sieghard Rabinowitsch eine Selbstverständlichkeit ist. Wenn aber jemand seine Biografie offen gelegt hat, von uns nominiert und von den Bürgern gewählt wurde, dann ist diese Entscheidung auch Grundlage für die Bewertung der Fraktion. Eine Wahlent­scheidung ist gerade auf Gemeinde- und Kreisebene eine personenbezogene Entscheidung. Niemand, der „nur“ DIE LINKE wählen wollte, musste Sieghard Rabinowitsch wählen. Es gab in seinem Wahlkreis 6 Kandidaten, die auf der Liste der PDS vor ihm plaziert waren. Er hat die zweit­höchste Stimmenzahl bekommen. Die Kreistagsfraktion ist im Ergebnis einer erneuten Diskussion zu dem Ergebnis gekommen, Sieg­hard Rabinowitsch weder aus der Fraktion auszuschließen noch ihm einen Mandatsverzicht nahe zu legen.

Kreisausschuss Potsdam-Mittelmark: Vorsitzender erhält weiter hohe Gage

Der Vorsitzende des Kreisausschusses von Potsdam-Mittelmark, Ludwig Burkardt, erhält weiter seine umstritten hohe Aufwandsentschädigung. Pro Monat darf der CDU-Politiker auch in Zukunft 420 Euro für sich verbuchen. Die Mitglieder des Kreistages lehnten jetzt eine von der Fraktion der Linken beantragte Kürzung von Burkardts Salär auf 100 Euro ab. Lesen Sie hier weiter.