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Dr. Hans-Joachim Koch

Aus der Chronik der Beziehungen zwischen der Ukraine und Russland

Die gegenwärtigen Probleme kann man nur verstehen, wenn man sich mit der Geschichte beschäftigt:

* Russische, belorussische und ukrainische Politiker und Historiker gehen von der Kiewer Rus als Wurzel ihrer Geschichte aus, allerdings mit unterschiedlichen Interpretationen. Vom 9. - 16. Jahrhundert existierte dieser lose Staatenbund, dessen wirtschaftliche Zentren Kiew und Nowgorod waren und der ideologisch von der orthodoxen Kirche aus Kiew geprägt wurde.

* Nach den Einfällen der Tataren (Mongolen) 1237 - 1240 wurde der Norden mit dem Zentrum in Moskau von ihnen beherrscht, über Jahrhunderte der Süden der heutigen Ukraine vom Königreich Polen und Litauen.

* Im Jahre 1624 bittet der orthodoxe Metropolit von Kiew den Zaren von Moskau um Unterstützung gegen den Druck der katholischen Kirche aus dem Westen, "denk an uns, Deine jüngeren Brüder", schrieb er. Dieses Bild prägt bis heute das Verhältnis der Ukrainer und Russen. Viele verstanden sich als slawisches Brudervolk, als eng verwandte Geschwister. Aus der Sicht vieler Russen gibt der größere Bruder den Ton an, aus der Sicht vieler Ukrainer darf der kleinere Bruder auch seine Selbständigkeit beweisen. In den einzelnen historischen Etappen gab es immer Gemeinsames und Trennendes, vom 13. bis zum 17. Jahrhundert gab es eine lange Phase der Entflechtung und Auseinanderentwicklung, danach eine zunehmende Integration der Mehrheit der Ukrainer in das russische Reich und eine zunehmende Verschränkung der ukrainischen und russischen Gesellschaften und Kulturen.

* Mit den ersten Schritten der Industrialisierung in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, vor allem im Osten der Ukraine, verstärkte sich die ethnische Durchmischung in der Ukraine. In den Dörfern lebten fast ausschließlich Ukrainer. Viele Großgrundbesitzer stammten aus dem polnischen Adel. In den Städten stellten zunehmend Russen und Juden die Oberschicht. Von den Einwohnern Odessas waren z. B. Ende des 19.Jahrhunderts 49% Russen, 31% Juden und 9% Ukrainer. Ukrainisch verlor seinen Status als Schriftsprache, als gesprochene Bauernsprache wurde es von russischer Seite als kleinrussischer Dialekt bezeichnet. Gebildete Ukrainer konnten durchaus Kariere im Militär, in der Verwaltung, der Kirche oder in der Kultur machen.

* Im Jahre 1917 durchlebte die Ukraine, etwas zeitversetzt, eine ähnliche Entwicklung wie Russland mit der Februarrevolution und der Doppelherrschaft einer provisorischen Regierung. Es wurde eine national-territoriale Autonomie der Ukraine im Rahmen einer föderativen russischen Republik verkündet. Mehrfach wurden ukrainische Staaten ausgerufen, u. a. in Donezk und Odessa, österreichisch-ungarische und deutsche Truppen besetzten die ganze Ukraine. In Kiew wechselte die Regierung von 1917 bis 1920 nicht weniger als neunmal, die Bolschewiki beendeten mit ihrem Einmarsch den Bürgerkrieg.

* Im Friedensvertrag der Mittelmächte mit den Bolschewiki vom 3. März 1918 akzeptierten diese aufgrund ihrer schwachen militärischen Position die Abtretung etwa eines Drittels des ukrainischen Territoriums an Polen. Das bürgerliche Polen unter Piłsudski nutzte die Einkreisung der jungen Sowjetmacht zum Einmarsch in der Ukraine und eroberte Kiew. Als die Bolschewiki ihre Macht gefestigt hatten, schlugen sie im Polnisch-Russischen Krieg die polnische Armee bis vor Warschau zurück und mussten dann einen erneuten Vorstoß Polens hinnehmen. Die russische Führung akzeptierten im Friedensvertrag von Riga vom 18.3.1921 weitere Gebietsabtretungen, noch deutlich hinter die vom britischen Außenminister Curzon in Versailles vorgeschlagene Linie.

*In der Ukraine werden in den zwanziger Jahren die ukrainische Kultur systematisch gefördert und nationalkommunistische Tendenzen entschieden bekämpft. Damit wird die Entwicklung der ukrainischen Nation gefördert. Die Zwangskollektivierung 1932/33 führt in der gesamten Sowjetunion zu einer großen Hungersnot und kann nicht als Racheakt Stalins gegen die Ukraine dargestellt werden. Der Stalinistische Terror traf 1937/38 auch die Ukraine.

* Mit dem Überfall Nazideutschlands auf die Sowjetunion im Juni 1941 kam auch die Ukraine an den Rand des Abgrundes. Die ganze Ukraine wurde von der Wehrmacht besetzt. Unter großen Opfern, mit Sowjetpatriotismus und mit Unterstützung der orthodoxen Kirche wurde der Aggressor zurückgeschlagen. So wie in anderen Unionsrepubliken gab es in der Ukraine Kräfte, die zeitweise auf der Seite der Wehrmacht kämpften, sich an der Ermordung von Juden beteiligten und mit ethnischen Säuberungen in Wolhynien Platz für ukrainische Siedler schaffen wollten. Stepan Bandera wird in diesem Zusammenhang von der ukrainischen Seite zum Märtyrer hochstilisiert. Nicht hinnehmbar ist allerdings auch, die Mehrheit der Ukrainer als Kollaborateure hinzustellen.

* 1954 wird mit großem Pomp das 300-jährige Jubiläum der Wiedervereinigung der Ukraine mit Russland gefeiert. Generalsekretär Chruschtschow, ein ethnischer Russe, der seine Kariere in der Ukraine gemacht hatte, initiiert den Übergang der Krim, die überwiegend von Russen bewohnt wurde, zur Ukraine.

* Mit dem Zerfall der UdSSR erklärte die Ukraine im Juli 1990 ihre Souveränität. In einem Referendum am 1. Dezember 1991 stimmten über90 % der Ukrainer für einen selbständigen Staat. Der kleine Bruder emanzipierte sich vom großen Bruder. Als die Konsequenzen sichtbar wurden forderte der russische Ministerpräsident Tschernomyrdin: "Die Ukraine ist nicht nur ein Nachbar für uns. Sie ist Teil unserer Seele, und wir wollen zusammen sein für alle Zeit." Das entsprach durchaus den Absichten der meisten Russen und Ukrainer, zumal es eine große ethnische Vermischung gab. In den 90er Jahren ergaben Umfragen, dass den meisten Ukrainern Russland näher stand als alle anderen Staaten. Sie gingen von einer Nation aus.

* In Russland und in der Ukraine kamen vor allem ehemalige Partei- und Staatsfunktionäre oft mit zweifelhaften Methoden zu großem Reichtum und beherrschen seitdem als Oligarchen diese Länder. Beide Seiten schließen 1997 einen Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und Partnerschaft. Die russische Führung nutzte das Erdöl als Waffe. Die orthodoxe ukrainische Kirche distanzierte sich von Moskau. In der Auseinandersetzung zwischen prorussischen und prowestlichen Kräften in der Ukraine erlangten mit massiver Hilfe vor allem der USA und der BRD die Kräfte die Oberhand, die sich an der EU und der NATO orientieren. Im Herbst 2014 erzwangen Demonstranten auf dem Maidan in Kiew den Sturz des um Ausgleich bemühten ukrainischen Präsidenten Janukowitsch, der nach Russland floh. Präsident Putin und die russische Führung sahen sich von dem zunehmenden westlichen Einfluß an ihren Grenzen bedroht und begannen im Februar 2022 einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Schon ab 2014 wird ein Teil des russisch geprägte Ostens der Ukraine mit Hilfe russischer Truppen von prorussischen Milizen beherrscht und die Minsker Friedensverhandlungen führten zu keinem nennenswerten Ergebnis. Der große Bruder hat nun den kleinen Bruder überfallen.

Dr. Hans-Joachim Koch
BO Stahnsdorf

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