Bittschriftenlinde wieder an altem Standort
Am 30.11.2015 um 12:00 Uhr, wurde am Otto-Braun-Platz nahe der Langen Brücke die Bittschriftenlinde (wieder) gepflanzt. Dr. Andreas Bernig, als Mitglied des Petitionsausschusses des Landtages und sein Praktikant Leon Troche nahmen an der Zeremonie teil. Die Geschichte der Bittschriftenlinde reicht bis in das 17. Jahrhundert zurück. Der große Kurfürst Friedrich Wilhelm – der als Vermittler der Holländischen Kultur gilt - soll es gewesen sein, der 4 Holländische Linden neben den Ostflügel des Potsdamer Stadtschlosses, 1670 pflanzen lies. Der eigenwillige Name entstand in der Regierungszeit seines Sohnes Friedrich den Zweiten. Hier an der Linde und direkt unter dem Arbeitszimmer des wohl bekanntesten Monarchen in der Preußischen Geschichte, versammelte sich das einfache Volk – seine Untertarnen - um die Bittgesuche an den Regenten zurichten. Einige Zeit später, heftete man die Bittgesuche an die eine der damals noch 4 Linden. Um die Bittschriftenlinde ranken sich viele Sagen. So soll zum Beispiel Friedrich der Große, in seinem Büro im Ostflügel des Stadtschlosses, drei Spiegel angebracht haben, um einen ungehinderten Blick auf den Publikumsmagneten zu erhalten. Die Bittschriftenlinde erfreute sich auch nach dem Tode des Alten Fritz großer Beliebtheit. Bis zur NS-Zeit wurde die Linde von den Potsdamern genutzt. Anfang der 1930-er Jahre warfen Linke, einen Anti Nazi Brief in die Bittschriftenlinde. Die Gestapo versuchte fortan das Betreiben der Linde als Bittschriftenlinde zu unterlassen. Zwei Weltkriege überlebte sie. Im Januar 1949 zerstörten FDJ-Aktivisten in einer „Nacht und Nebel“- Aktion die Bittschriftenlinde, um Symbolhaft den alten geist aus Potsdam auszutreiben. Zum 1000-jährigen Jubiläum der Stadt Potsdam im Jahr 1993, schenkte der Baumschulenbesitzer Dieter Lorberg der Stadt eine neue Linde, als Nachfolger der alten. Mit Beginn der Rekonstruktion der Historischen Mitte 2008, musste sie temporär verpflanzt werden. Mit dem Tieflader ging es dann nach Fahlhorst/ Gemeinde Nuthetal in die Baumschule des Betriebs „Baum und Park Landschaftsbau GmbH Potsdam“. Die Neuauflage der ersten Bittschriftenlinde ist heute auf beachtliche 8 Meter gewachsen. Der Platz, an dem die Linde wieder eingepflanzt wurde, erhielt vor kurzem den Namen Otto Brauns. Doch wer war Otto Braun? Auf der Gedenktafel am Otto-Braun-Platz steht: „Otto Braun 1872-1955, Von 1921 bis 1932 war der Sozialdemokrat Otto Braun mit kurzer Unterbrechung Ministerpräsident des Freistaates Preußen. Als letzter Demokratisch gewählter Ministerpräsident sorgte er dafür, dass Preußen bis zuletzt ein „Republikanisches Bollwerk“ gegen den aufkommenden Nationalsozialismus blieb. Mit dem sogenannten „Preußenschlag“ wurde die Regierung Braun am 20.7.1932 entmachtet.“ Heute findet sich eine ähnliche Situation wie vor 100 Jahren wieder. In dem wiederaufgebauten Potsdamer Stadtschloss tagt der Landtag. Auch an diesen kann man sich mit Bitten und Gesuchen wenden, allerdings braucht man dazu heute keine Bittschriftenlinde mehr. Es gibt einen Unterschied. Heute kann jeder Bürger des Landes Brandenburg sich mit seinem Problem an den Petitionsausschuss des Landtages wenden und keiner ist auf die Gunst eines Monarchen angewiesen.
Im Zeitraum Oktober 2014 bis zum Oktober 2015, prüften und bearbeiteten die 10 Mitglieder (darunter die beiden Landtagsabgeordneten der Linken Dr. Andreas Bernig und Volkmar Schöneburg) 719 Anträge.
Der Petitionsausschuss kann also als Erbe der Bittschriftenlinde angesehen werden. Andreas Bernig bei der Einweihung der Linde: „Wir werden jetzt dafür sorgen, dass wir ab sofort neben der Bittschriftenlinde tagen werden. Dann haben wir sie immer im Blick falls jemand sich mit einer Bitte an den Landtag wenden möchte.“
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